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4 Schritte, um Schmerzen und Beschwerden zu beschreiben


Schmerzen beschreiben

Komplexe Beschwerden können oftmals nur schwer beschrieben werden. Möglichst genaue Informationen sind aber notwendig, um die genauen Ursachen einzugrenzen. Ein ausführliches Gespräch über die Symptome mit präzisen Fragen über die Art der Beschwerden hilft dem Behandler, seine ersten Hypothesen aufzustellen und die weitere Untersuchung zu planen.

Ich mache seit Jahren die Erfahrung, dass Patienten die exakte Beschreibung der Symptome spontan häufig schwer fällt, weil man im Vorfeld meist nicht konkret darüber nachdenkt, wie sich etwas anfühlt, wo der Schmerz genau sitzt oder wann genau er auftritt. Man hat ja immerhin akute Schmerzen und daher andere Sorgen.

Ein Plus ist, durch Ihre gute Vorbereitung auf das Gespräch mit Ihrem Arzt oder Therapeuten, haben Sie mehr Zeit für tiefergehende Fragen zu Ihrer Problemstellung und den angedachten Therapiemöglichkeiten.

Mit diesem Artikel möchte ich Ihnen deshalb nun 4 Punkte vorstellen, die es Ihnen erleichtern sollen, sich schon vor der ersten Behandlung die benötigten Informationen zusammen zu tragen. So können wir sicher gehen, dass alle wichtigen Punkte genannt werden und ich alle notwendigen Informationen zu Ihren Beschwerden bekomme.

Hier finden Sie einen Fragebogen zum Downloaden.

1. Was ist Ihr Hauptproblem?


Weshalb wollen Sie zum Arzt oder Physiotherapeuten gehen?

Gibt es Einschränkungen im Alltag?

"Ich habe Schmerzen in der Hüfte beim Einsteigen ins Auto."
"Ich kann nicht durchgängig meine Haare föhnen, weil ich Schmerzen im gesamten Arm bekomme."
"Ich kann nicht mehr laufen gehen, weil ich Knieschmerzen habe, normales Gehen macht aber keine Beschwerden."



2. Die Geschichte des Hauptproblems


Wann haben die Beschwerden begonnen?

Gab es vielleicht einen Auslöser? Z.B. eine sehr lange Sporteinheit, kamen die Beschwerden nach einer ungewohnten Gartenarbeit, einem Stolpern oder Umknicken, hatten Sie kurz zuvor einen Unfall oder eine Operation?


3. Welche Symptome gibt es?


  • Gibt es verschiedene Symptombereiche? Z.B. Halswirbelsäule, Kopf, Arme oder Knie, Hüfte/Oberschenkel etc.

  • Welche Qualität haben die Symptome? Sind die Beschwerden brennend, ziehend, stechend, dumpf, bohrend, Ameisenlaufen, kribbelnd, bamstig? Sind die Beschwerden gut/schlecht lokalisierbar, d.h. könnten Sie mit einem Finger direkt auf einen Punkt zeigen oder würden Sie das Gebiet mit der Handfläche zeigen? Liegen sie eher tief oder oberflächlich, sind die Beschwerden permanent oder intermittierend (wechselnd bzw. schwankend)? (Wobei mit permanent wirklich konstant über den gesamten Tag UND in gleicher Stärke gemeint ist!)

  • Wie stark sind die Symptome? Schmerzen lassen sich am besten mithilfe einer Skala beschreiben. Ich wähle dafür gern eine 10 Punkte-Skala, wobei „0“ keine Schmerzen und „10“ für den schlimmsten vorstellbaren Schmerz steht.

  • Wie hängen die Symptome zusammen? Z.B.: Zuerst kommt Symptom (1) im Nacken, nach ca. einer halben Stunde kommt dann Symptom (2) in den Armen hinzu. Wenn Symptom (1) und (2) da sind, macht sich 2 Stunden später Symptom (3) bemerkbar, Symptom (2) und (3) erscheinen nie ohne Symptom (1), etc.


4. Der 24 Stunden-Verlauf


Wie verhalten sich die Beschwerden über den Tag und in der Nacht?

  • Sind sie morgens am stärksten und werden z.B. nach einer halben Stunde weniger (z.B. Einlaufschmerz) oder werden sie vielleicht erst nach 2-3 Stunden weniger?

  • Bauen sich die Beschwerden über den Tag auf und werden zum Abend hin mehr und Sie sind am Morgen beschwerdefrei?

Hat der Schmerz einen an/aus Charakter?

  • Sie haben z.B. beim Gehen keine Beschwerden, wenn Sie allerdings laufen, haben Sie Knieschmerzen, sowie sie wieder gehen, sind Sie jedoch beschwerdefrei.

Wachen Sie vielleicht nachts durch die Schmerzen auf?

  • Wachen Sie immer zu bestimmten Zeiten, z.B. 5:00 Uhr morgens durch die Schmerzen auf?

Wenn die Symptome da sind, wie lange brauchen Sie, um abzuklingen?

  • Sind sie sofort nach der Entlastung verschwunden, klingen sie 20 Minuten aus oder klingen sie gar über den ganzen restlichen Tag aus?

Gibt es Dinge, die die Beschwerden lindern?

Müssen Sie Aktivitäten abbrechen?

  • z.B. laufen, Überkopfaktivitäten wie beispielsweise Wäsche aufhängen oder Haare föhnen, sitzen, etc.